Frühling an der Costa Brava
Wir setzen uns am Abend des
6. März im gewohnt kalten und nebligen Olten in den grossen Bus, der uns nach
Spanien bringen wird. Eigentlich ist dieser Reisecar mit einigem Luxus ausgestattet und mit nur acht Passagieren kann
man genügend Sitze für sich beanspruchen, aber wenn man ein bisschen aufgeregt
ist und auf dem Bauch liegend zu schlafen gewohnt ist, dann hat man doch 12
Stunden mit sich zu kämpfen. Ich frage
mich wie ein Oliver Spiess mit seinen
langen Beinen da zurecht kommt... er wird uns zwei Tage später bei seiner
Ankunft sagen, dass er wie ein Murmeltier geschlafen habe. Mit ihm kommt auch
Basilisker Rolf Moser von Bern und viele andere Velosportler aus der ganzen
Schweiz in Giverola an, wo nun immer mehr Trainingscamp - Atmosphäre herrscht.
Kaum angekommen wollen Oliver,
Rolf und Toni von Grenchen(Ex-Kantonalmeister der Sektion Bern) sofort „einrollen“.
Einrollen tönt sanft, darum schließt Jan sich dieser Gruppe an. Nach 110 Kilometern
und einem durchschnittlichen Tempo von knapp unter 30km/h (man musste manchmal
wegen ihm warten oder langsamer machen) weiss er , dass er zusammen mit mir
in der Gruppe Paul (23-25km/h) goldrichtig platziert ist.
Dieses Überforderungserlebnis bleibt mir
allerdings auch nicht erspart. Die Tour heißt Maçanet, ist auch fast 100 Kilometer
lang und verlangt von mir am Schluss die Ausschöpfung sämtlicher übriggebliebener
Energiereserven (und das sind nicht allzu viele) für den Aufstieg zum
„Passo Ermita Sant Grau“. Den wunderschönen Rundumblick auf das Meer und das
Pyrenäengebirge nehme ich nur noch verschwommen war. Ich fahre darum an meinem
letzten Tag mit dem Fotoapparat im Rucksack alleine nochmals hinauf und genieße
diesen Ausblick mit noch intakten Sinnen. Die Costa Brava blüht und grünt
zur Zeit. Immer wieder fährt man an den duftenden Mimosenbäumen vorbei und
man kann auf die Weiten des Meeres hinunterblicken, man fühlt sich einfach
glücklich und befreit dabei. Ich bin dankbar, dass wir südlich der Schweiz
so viele wärmende Sonnenstrahlen haben.
Ohne körperliche Anstrengung
zum Genießen ist der Ausflug mit dem Bus nach Figueres (Besichtigung des Dali-Museums)
und Girona.
Zu Fuß vom Hotel erreicht man in einer Stunde
den nächst größeren Ort Tossa de Mar, wo es einen schönen Altstadtteil zu
bewundern gibt und die zurückkehrenden Velosportler nach ihren Touren gerne
noch einkehren. Das Meer ist leider erst 15 Grad warm und so reicht es bei
mir nur für ein Fußbad.
Bewundernswert sind auch die
Mengen, die, die Velofahrer nach ihren Tagestouren beim Nachtessen verspeisen.
Die Auswahl und Qualität von Morgen- und Nachtessen ist auch so gut, dass
man fast nicht aufhören kann. So sitzen wir fast jeden Abend zwei Stunden
beim Nachtessen bis Oliver seine sieben Gänge bewältigt hat, erzählen und
hören Velofahrergeschichten, welche mehr oder weniger aktuell sind. Da gewinnt
zum Beispiel Toni Rieder eine Etappe an der Solothurnerwoche, Christina muss
beim Swisstrans-Triathlon leiden und Jan Jansen hat in den Sechzigern eine
Tour de France gewonnen. Gemäss Jan existiert ein Lied das in Folge bei uns
am Tisch zum Schlager wird: Hopp Jan, Hopp Jan, Jan Du warst chewaltig. Ebenso
ist es für Ihn von größter Wichtigkeit, dass wir uns am letzten Abend statt
des Hausweines, einen „Faustino1“ leisten, den besten im Sporthotel Giverola
dieses Jahr!
Rolf und Oliver sind später
nach Giverola gekommen, dafür können sie noch länger bleiben als Jan und ich
die Heimreise antreten müssen. Sie haben ihre Königsetappe noch vor sich-
sie wollen zwei vom Veranstalter empfohlene Touren (Sant Hilari und Turo de
l `Home) einfach zusammenhängen, was dann heißt, dass sie über zwei Berge
der höheren Kategorie klettern und einen lange Distanz (200 km plus) abradeln.
Für mich unvorstellbar, aber, so wie ich sie kennen gelernt habe, zweifle
ich nicht mehr, dass sie es gemacht haben. Sie gehören schließlich zu den
Spinnern, welche sich fast jeden Samstag am Hüninger Zoll in Basel treffen.
Liebe Feriengrüsse aus Giverola
(Tossa de Mar)
von Rahel