RV Basilisk

Cesenatico 2004

Radfahrerverein Basilisk, 4002 Basel, gegr. 1905

RV Basilisk Radferienwoche Valverde, Cesenatico, Italien 2004

Rückblick auf die Radferienwoche 2004

Vom 1. bis 7. Mai, 2004, weilten ein paar Champions, Gnätschgis, Geniesser, Hobbyfahrer und Detleff Depp bei einer Ferienwoche an der Adria. Eine kleine Rückblende soll an die Geschehnisse erinnern.

Zuerst musst du, lieber Leser, über die diversen teilnehmenden Typen, welche in verschiedene Kategorien eingeteilt werden können, aufgeklärt werden.
Teilnehmer waren: Cornelia Lehner, Käthi und Thomas Stähli, Rosmarie und Rolf Müller, Daniel Hediger, Sandra Schenker, Arnold Fässler, Hanspeter Krein, Rolf Moser, Jan Schweizer, Hans Böhi, Martin Saxer, und der Schreiberling, Peter Abt.

Der Champion: Dieser kann auch mal Zweiter werden und bleibt trotzdem ein Champion (Fabian Jeckers Aussage anlässlich der Schlussetappe an der TdS. beim Interview mit SF-DRS). Solche Niederlagen nimmt ein wahrer Champion gelassen, da dies sowieso selten vorkommt. Niemals kämme ihm in den Sinn am Berg einen schwächeren Fahrer zu schieben. Oder hast du schon mal Lance Armstrong gesehen, dass er einer seiner Mannschaftskameraden geschoben hätte, weil dieser am Berg dem Tempo nicht folgen konnte? Auch unsere Champions hielten sich an diese Regel.

Der Gnätschgi: Dieser Typ ist ein liebenswerter Radler, hilfsbereit und zuvorkommend. Er schiebt auch mal einen Kameraden am Berg wenn dieser in Not ist. Seine Ausrüstung trägt meistens die Marken welche mit C beginnen (Cicli Colnago, Cannondale, Coppi, Cinelli, Campagnolo Chimano). Das wichtigste aber ist, dass Lenkerband, Rahmen, Schuhe, Helm, Socken, Sattel, Hosen und Leibchen immer im Farbenzusammenspiel mit der Sonnenbrille übereinstimmen müssen. Die Beine müssen glattrasiert und braungebrannt sein (Solarium ist auch möglich). Dies ist besonders im Frühling wichtig, denn damit wird der Tarif über den Trainingszustand äusserlich bekannt gegeben.
Alle diese Merkmale sind aber nicht zwingend nötig um als Gnätschgi bezeichnet zu werden.

Der (die) Geniesser (in): Jener Typ ist vom Gnätschgi nicht so einfach zu unterscheiden. Einige der vorgenannten Merkmale können auch auf ihn zutreffen, solche sind aber nicht unbedingt nötig. Jedenfalls kommt es dem Geniesser nicht in den Sinn, sich während dem Fahren aus der Trikottasche zu verpflegen. Er geniesst die Verpflegung lieber im Restaurante bei Pasta und einem Glas Vino rosso.

Der (die) Hobbyfahrer (in): Normalerweise gehören Hobbyfahrer keinem Radfahrer-Verein an. Diese Erkenntnis machte ich als mich ein Fahrer aus der BRD fragte: “fährst du Hobby oder Verein?“ Zudem haben Hobbyfahrer an Steigungen rechts zu fahren, sodass die schnelleren Vereinsfahrer ungehindert überholen können.

Detleff Depp: Immer wieder kommt es vor, dass dieser unter den vorgenannten Typen zu finden ist. Meistens ist auch er hilfsbereit, sicher liebenswert aber verhält sich oft etwas ungeschickt.

Nun zum Rückblick. Die Typenzuordnung zum entsprechenden Teilnehmer darf der Leser selber vornehmen.

An jenem Donnerstag, vor dem samstäglichen Abreisedatum habe ich mit Roman Cuel, dem Busverantwortlichen abgemacht, dass ich den Bus abholen werde. Dies wollte ich als Gelegenheit zu einer Trainingsfahrt nutzen und den Toyota Vereinsbus auf dem Rückweg in Riehen abzuholen.“ Vor 20.00 Uhr bin ich nicht bei dir Roman,“ erklärte ich ihm am Telefon. „O.K. ich bin vielleicht noch im Garten, aber den Schlüssel lege ich dir in den Milchkasten unter einer Zeitung.“ Der Bus sei nicht weit von seinem Wohnort entfernt, orientierte mich Roman. Auf dem Weg zur Trainingsausfahrt treffe ich zufällig noch Rolf Moser, der mich spontan begleitet. Um ca. 20.15 Uhr fahren wir bei Romans Wohnort vor. Tatsächlich steht der Bus da. Nur wo bleibt der Schlüssel? Im Milchkasten ist die von Roman erwähnte Zeitung da, vom Schlüssel aber nichts zu sehen. Glücklicherweise habe ich mein Natel dabei. Eine sympathische Stimme erklärt mir: Der Teilnehmer ist momentan nicht erreichbar. Also, Tempo nach Hause, denn wir haben kein Licht an unseren Rädern und es ist bereits am Eindunkeln.
Um 22.30 Uhr ruft mich Roman an: „ ich habe vergessen den Schlüssel wie abgemacht zu hinterlegen. Ich bringe dir den Bus und fahre mit dem Velo zurück, die Räder mit den Sommerpneus habe ich jedenfalls bereits im Bus verstaut,“ erklärte mir Roman und entschuldigte sich für sein Fehlverhalten.
Räder mit Sommerpneus? Das tönt nach Arbeit. Das ganze Programm kommt durcheinander. Für Freitag gibt es also eine Nachtschicht. „Hast du den Oelstand überprüft,“ frage ich Roman bei der Busübergabe. „Der fährt mit Benzin nicht mit Oel und der Tank ist jedenfalls voll,“ berichtet er. „Ich meine das für die Schmierung nötige Motorenoel.“ „ Keine Ahnung,“ erklärt er mir.
Am Freitag Abend ist Boxenstop angesagt. Die Räder mit Winterpneus brauchen wir nicht und jene die im Fahrzeug liegen, mit den Sommerpneus, haben kaum noch Luft.
Glücklicherweise bin ich gut ausgerüstet: Wagenheber, Radschlüssel, Druckluft und aus Italien selber importiertes Motorenoel (von der Sonne verwöhnt), sind in meiner Garage griffbereit .
Wie kommt man an den Messstab und Oelfüllstutzen ran? Erst mal die Bedienungsanleitung studieren, Fahrersitz ganz zurück schieben, Rasterhebel lösen, Sitz gegen das Lenkrad kippen, Mittelsitz ausrasten, endlich lässt sich die Motorhaube öffnen. Kunststück, dass bei dieser Prozedur keiner nachgesehen hat. Oelmessstab ziehen, da müsste zwischen den Markierungen Min. – Max. etwas Oel zu sehen sein. Nichts von alldem, trocken wie die Wüste, nichts ist unmöglich, Toyota.
Also Oelkanister geholt, Oel eingefüllt, Messstab kontrolliert, Ergebnis, immer noch trocken. Neuer Kanister geholt, nachgefüllt, endlich ist der Messstab nass. Soll einer sagen, dass Toyota Motoren nicht zu den besten gehören. Da die Kontrolllampe für fehlenden Oeldruck erst aufleuchtet wenn wegen fehlendem Reservoir kein Druck mehr aufgebaut werden kann, hätte dies bei der Fahrt nach Italien bös ins Auge (Motorschaden) gehen können.

Szenenwechsel:
Nach Ankunft am Samstag im 4 Sterne Hotel Royal, in Valverde - Cesenatico, war eine kleine, gemeinsame Ausfahrt auf Nebenstrassen nach Santarcancelo vorgesehen. Wegen den unterschiedlichen Leistungen der einzelnen Teilnehmer, bei flacher Streckenführung, war eine Tempolimite angesagt. Trotz langsamer Fahrt gab es Abgehängte. Insbesondere dann, wenn eine kleine Steigung (z.B. eine Brückenrampe über die Autostrada del Sole) zu nehmen war. Die Begründung lag wohl an den unterschiedlichen Trainingszuständen der Teilnehmer.

Leider kann ich nicht von allen Erlebnissen aller Teilnehmer berichten, da sich nur am ersten Tag alle auf einer gemeinsamen Tour befanden. Von Tag zu Tag minimierte sich unsere Gruppe nach dem Motto: 10 kleine Negerlein.
Eine besonders schöne und ereignisreiche Tour habe ich zum Berichten ausgewählt.

Ausfahrt über den Spinellopass 825 m.ü.M. nach Santa Sofia:
Das Wetter war bewölkt, etwas kühl, aber trocken.
Hanspeter wollte mit uns über den Pass nach Santa Sofia und dann auf direktem Weg via Cesena zum Hotel fahren. Hans und Martin konnten noch nicht wissen was auf sie zukam. Jedenfalls sollten die Beiden mit Hanspeter zurück fahren. Schon bald bei Beginn des Anstiegs trennte sich die Spreu vom Weizen. Die Steigung ist ca. 18 km lang, meistens als Rollerberg (leichte Steigung) mit 2 bis 3 steileren Passagen zu bezeichnen. Selten begegnet man einem Auto.
Auf der Passhöhe angekommen kehren in der Regel unsere Champions um und fahren zurück, den Gnätschgis entgegen. Dies, um nochmals in den Genuss des Aufstiegs zu kommen, statt die lange Wartezeit oben am Kulminationspunkt mit frieren zu vertrödeln. Aus nachträglich nicht erklärbaren Gründen wurde dies aber an diesem Tag unterlassen. Während Hans, Martin und ich beim Aufstieg zur Passhöhe die Landschaft genossen, die Vielfalt der Blumen und Pflanzen betrachteten, oder jene, neben der Strasse sich auftürmenden, wie aufeinander gestapelten, dünnen Felsplatten, die wie von starker Hand vor zig tausend Jahren aufgeschichtet worden sein müssen, frohren oben auf der Passhöhe die schnellen Bergfahrer. Möglicherweise wegen Nichtbedarf in einem Restaurant sich zu verpflegen und aufzuwärmen, haben es die Schnellen leider unterlassen, am Zeitpunkt ihrer Ankunft, nach Möglichkeiten umzusehen. So wäre rechtzeitig bemerkt worden, dass an den Türen und dies, sowohl beim dort einzigen Restaurante, als auch an der dort vorhandenen Bar, ein Schild mit „oggi chiuso“ hängte. Ob es den zuletzt auf der Passhöhe Ankommenden den Mumm abgekauft hätte, wenn diese zur sofortigen Weiterfahrt gedrängt worden wären? Wegen der Diskussionsrunde gab’s erst mal eine Verschnaufpause für uns Nachzügler.
“Ich muss ein Teller voll Spagetti haben, ich eine Cola, ich will sofort runter fahren nach der langen Warterei habe ich genug vom Herumstehen“, tönte es von diversen Stimmen. Relativ rasch war man sich einig, denn was blieb einem übrig, wenn an den Türen Schilder hängten „oggi chiuso“.
Rote Köpfe über den weiteren Verlauf gab’s erst wieder im Tal, bei Ankunft in Santa Sofia. Spaghetti, Sandwich, Cola, Cappuccino, Schokoriegel, „verdammt jetzt habe ich genug vom Frieren, ich fahre weiter;“ So tönte die Bekanntgabe der diversen Bedürfnisse, doch diesmal viel heftiger.
Für Rolf, Thomas und mich stehen noch drei grössere Steigungen bevor. Keine Zeit für Cola und Schokoriegel, schon gar nicht um Spagetti zu verzerren. Glücklicherweise hatte ich in den Trikottaschen noch genug Verpflegungsriegel dabei.
Während der Rest der Gruppe, so wurde am Nachtessen berichtet, genüsslich Spagetti verzerrte, verzerrte sich mein Gesicht an der nächsten Steigung zum Mte. D Forche, auf 444 m.ü.M. Landschaftlich war der Aufstieg von ganz anderer Art wie der Spinello. Am Strassenrand entlang befanden sich Pinienbäume, die, wegen der feuchten Luft, am Duft gut zu riechen waren und dem Ganzen den südländischen Thatch gaben. Thomas hatte etwas mühe zu folgen. Als Vergleich, wie man mit der Kraft haushalten muss, erkläre ich ihm, dass jeder am Start eine volle Cola Flasche hat. Cola trinkt Thomas besonders gerne hat aber mit dem Vergleich keine Aussagekraft. Etwas mit dem Atem ringend, denn es geht ja bergauf, erkläre ich Thomas: „Rolf Moser z. B. hat am Start eine 2 Literflasche, während Noldi nur eine solche von 2 dl Inhalt hat.“ „Wieso den das?“ Fragt mich Thomas. „Noldi ist ja gar nicht mitgekommen.“ Rolf hatte sich mit viel Training die Leistungsgrösse angeeignet, während Noldi keine Zeit zum trainieren hatte. „Aha, und wie gross ist meine Flasche?“ so Thomas. „um die 1,5 Liter dürften es gewesen sein“ antworte ich, aber leider ist deine jetzt schon fast leer, während Rolf bestimmt noch die Hälfte hat.  Dies, weil du mit deinen Kräften, entsprechend deiner Leistungskapazität, nicht haushalten kannst.“ „Dann trinke ich halt keine Cola mehr“ war seine Schlussfolgerung.
Die dritte Steigung, zum Colle di Cento Forche, 551m.ü.M. ist wieder etwas flacher. Einzelne Kirsch- und Feigenbäume, welche sich mitten in Laub- und Nadelbäumen befinden, tragen bereits Früchte, wenn diese auch noch nicht reif sind. Brav wartet Rolf am Kulminationspunkt auf uns Nachzügler.
Die vierte und letzte grosse Steigung auf 620 Höhenmeter ist der landschaftliche Höhepunkt dieser Tour. Das schmale Strässchen windet sich über Wiesen, Kornfelder oder Wald zum Berg hinauf. Plötzlich tönt es: „määh, määh“. „Diese Schafe sind deine Fans und spornen dich an, Thomas“, rufe ich ihm zu. „Ob sie Cola mögen?“ fragt Thomas, der immer mehr mühe bekundet unserem Tempo zu folgen.
Oben angekommen können wir die Fernsicht geniessen. In der einen Richtung sehen wir bis zum Meer. Auch das alte, jetzt unbewohnte Hochhaus von Cesenatico oder die Städte Forli und Cesena können wir erkennen. Der Blick in die andere Richtung zeigt uns eine Vielzahl von Hügeln und Bergen. Nach einer längeren Abfahrt gelangen wir nach Predappio welches auf 130 Höhenmeter liegt, bevor noch eine Steigung mit mehreren Harnadelkurven folgt. Dem, auf dem Strassenbelag erkenntlichen schwarzen Gummispuren nach, muss diese Strasse vor Kurzem als Autobergrennstrecke gedient haben.
Nun bleibt noch die kleine Steigung nach Bertinoro, bevor die Abfahrt nach Cesena in Angriff genommen werden kann. Die restlichen ca. 20 km bis zum Hotel sind dann aber wirklich flach, sieht man von den Brückenrampen über die Autostrada ab. Für Rolf scheint dies sowieso nicht erwähnenswert, den er hält auch dort das Tempo exakt bei 35 km/h. Bei Ankunft im Hotel steht die Zahl 187 km auf meinem Tacho.


Beim Nachtessen konnte jeder über seine Erlebnisse berichten. Beim Kellner bestellte Thomas wieder eine Flasche Cola, doch diesmal verlangte er eine Grosse.
Alles in allem: Das Wetter war eher kühl, am Ende der Woche, Freitag und Samstag kalt (Schnee war bis weit von den Bergen herunter zu sehen), bei geschickter Streckenwahl, unter Berücksichtigung des am Himmel befindlichen Wolkenbilds und zur richtigen Abfahrtszeit, fuhr man nur auf trockenen Strassen, das Essen im Hotel war sehr gut (nebst kaltem, reichhaltigem Buffet, gabs eine Menüauswahl, bei der man am Vorabend auf einer Liste das Gewünschte ankreuzen musste und beim servieren am Tag danach, nicht mehr sicher war, wo man das Kreuz hingesetzt hatte), die Landschaft war ideal, flache, leichte bis steile, kurze oder lange Steigungen waren möglich, die Stimmung unter uns war gut, trotz der erwähnten Diskussionen.

Einer Ausrichtung 2005 steht also nichts im Wege.

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